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Kosten der Elternpflege richtig kalkulieren

Kosten der Elternpflege richtig kalkulieren

Kosten der Elternpflege richtig kalkulieren

in Ratgeber
Lesedauer: 4 min.

Der Anruf kommt meistens zu einem Zeitpunkt, an dem man nicht damit rechnet: Die Mutter ist gestürzt, der Vater schafft den Alltag nicht mehr allein. Was dann folgt, ist nicht nur emotional aufreibend, sondern auch finanziell komplex. Viele Familien unterschätzen, welche Kosten auf sie zukommen, wenn ein Elternteil pflegebedürftig wird. Wer früh kalkuliert, behält die Kontrolle.

Was Pflege tatsächlich kostet

Die Zahlen sind ernüchternd. Ein Pflegeplatz im stationären Bereich kostet in Deutschland 2024 im Durchschnitt über 2.800 Euro pro Monat an Eigenanteil, in vielen Großstädten deutlich mehr. Dieser Betrag setzt sich aus dem pflegebedingten Eigenanteil, Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie einem Investitionskostenanteil zusammen. Hinzu kommen häufig Zuzahlungen für Einzelzimmer, spezielle Therapien oder zusätzliche Betreuungsangebote.

Bei ambulanter Pflege zu Hause ist die Kalkulation noch unübersichtlicher. Pflegedienste rechnen nach Leistungskomplexen oder Zeitkontingenten ab. Ein Grundpaket mit Körperpflege, Medikamentengabe und ein wenig Hauswirtschaft kostet schnell 1.200 bis 1.800 Euro monatlich. Wenn zusätzlich eine Betreuungskraft oder eine 24-Stunden-Kraft gebraucht wird, verdreifacht sich dieser Betrag leicht.

Was die Pflegekasse tatsächlich übernimmt

Viele Familien gehen davon aus, dass die Pflegeversicherung den Löwenanteil abdeckt. Das ist ein Irrtum. Die Pflegeversicherung ist als Teilkaskoversicherung konzipiert, sie federt Kosten ab, deckt sie aber nicht vollständig. Bei Pflegegrad 3 zahlt die Pflegekasse für stationäre Pflege einen Leistungsbetrag von 1.775 Euro. Der Eigenanteil liegt statistisch trotzdem bei über 2.000 Euro monatlich. Bei Pflegegrad 4 oder 5 verschiebt sich die Rechnung kaum zugunsten der Betroffenen, weil die Heime höhere Pflegestufen oft teurer abrechnen.

Wer die genauen gesetzlichen Grundlagen nachlesen möchte, findet die relevanten Regelungen im Elften Sozialgesetzbuch, das die Pflegeversicherung in Deutschland regelt. Dort sind Leistungsbeträge, Anspruchsvoraussetzungen und die Einstufung in Pflegegrade verbindlich festgelegt.

Die Pflegelücke konkret berechnen

Zwischen dem, was die Pflegekasse zahlt, und dem, was tatsächlich anfällt, klafft eine Lücke. Diese Lücke muss irgendwo herkommen: aus dem Vermögen der pflegebedürftigen Person, aus dem Einkommen der Kinder oder aus ergänzenden Versicherungen. Bevor Familien diese Entscheidung treffen können, müssen sie wissen, wie groß die Lücke überhaupt ist. Wer die eigene Situation strukturiert durchrechnen will, kann dafür ein Werkzeug wie Pflegelücke berechnen nutzen, um auf Basis realer Einnahmen und Pflegekosten zu einem konkreten Fehlbetrag zu kommen.

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Typisches Beispiel: Eine Mutter mit Pflegegrad 3 lebt in einem Pflegeheim in München. Die monatlichen Gesamtkosten betragen 3.600 Euro. Die Pflegekasse zahlt 1.775 Euro. Die Rente der Mutter beträgt 1.100 Euro. Ergebnis: Eine monatliche Lücke von rund 725 Euro, die anderweitig gedeckt werden muss. Über ein Jahr summiert sich das auf 8.700 Euro.

Wer zahlt, wenn das Geld nicht reicht?

Reichen Rente und Ersparnisse der pflegebedürftigen Person nicht aus, greift zunächst das Sozialamt. Dieses übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten über die sogenannte Hilfe zur Pflege. Allerdings prüft das Amt dann auch, ob Kinder unterhaltspflichtig sind. Seit Januar 2020 gilt: Kinder müssen erst ab einem Bruttojahreseinkommen von mehr als 100.000 Euro für ihre Eltern zahlen, geregelt durch das Angehörigen-Entlastungsgesetz. Diese Grenze hat viele Familien entlastet, bedeutet aber nicht, dass das Thema sich damit erledigt hat. Wer die Finanzierungslücke überbrücken muss, findet bei Kreditecho einen Kreditvergleich mit Angeboten und Konditionen im Überblick.

Das Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Informationen zu Pflegeleistungen, Eigenanteilen und Reformen der Pflegeversicherung, die für die Kalkulation hilfreich sind.

Welche Posten Familien oft vergessen

Neben den offensichtlichen Pflegekosten gibt es eine Reihe von Ausgaben, die regelmäßig übersehen werden:

  • Umbaumaßnahmen: Badezimmer barrierefrei machen, Türen verbreitern, Treppen durch Lifte ersetzen. Die Pflegekasse gibt dafür bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme, reicht aber selten aus.
  • Hilfsmittel: Rollstuhl, Pflegebett, Inkontinenzmaterial. Vieles wird von der Kasse bezuschusst, manches liegt komplett bei der Familie.
  • Fahrtkosten: Wer regelmäßig zum Pflegeheim fährt oder Eltern zu Arztbesuchen begleitet, summiert schnell mehrere hundert Euro pro Monat.
  • Verdienstausfall: Wer die Arbeitszeit reduziert, um Pflegeaufgaben zu übernehmen, verliert Einkommen und Rentenansprüche. Das ist ein indirekter, aber realer Kostenfaktor.
  • Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege: Notwendig bei Krankenhausaufenthalten oder Urlaub der pflegenden Person. Die Kassenzuschüsse sind gedeckelt, die Realkosten häufig höher.

So strukturieren Familien die Finanzierung

Eine solide Finanzierungsplanung beginnt mit einer vollständigen Bestandsaufnahme: Welche Einnahmen hat die pflegebedürftige Person (Rente, Wohngeld, Mieteinnahmen)? Welches Vermögen ist vorhanden? Gibt es eine private Pflegezusatzversicherung? Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, ob und wie die Kinder einspringen, ob ein Immobilienverkauf sinnvoll ist oder ob weitere Sozialleistungen beantragt werden sollten.

Einen strukturierten Überblick über die verschiedenen Leistungsarten und gesetzliche Grundlagen bietet auch der entsprechende Wikipedia-Artikel zur Pflegeversicherung in Deutschland, der Grundbegriffe und Systemzusammenhänge kompakt erklärt.

Familien, die diese Planung frühzeitig angehen, haben deutlich mehr Handlungsspielraum. Wer erst reagiert, wenn der erste Heimplatz bezahlt werden muss, trifft Entscheidungen unter Druck. Das kostet meistens mehr, nicht nur finanziell.

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