Rund 7.400 Studierende an österreichischen Hochschulen haben Kinder unter 15 Jahren. In Wien, wo allein die Universität Wien mehr als 90.000 Studierende zählt, betrifft das einen erheblichen Teil der akademischen Gemeinschaft. Wer gleichzeitig ein Kind großzieht und ein Studium durchzieht, braucht keine Motivationsreden, sondern konkrete Strukturen. Dieser Artikel zeigt, welche davon in Wien tatsächlich existieren.
Was das Studium mit Kind so besonders schwer macht
Der Kern des Problems ist Zeit. Ein Vollzeitstudium erfordert realistisch betrachtet 40 Stunden pro Woche, ein Kind im Kleinkindalter mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Wer keine verlässliche Kinderbetreuung hat, kann keine Lehrveranstaltungen regelmäßig besuchen. Wer kein stabiles Einkommen hat, kann keine Betreuung bezahlen. Dieser Kreislauf ist für viele Eltern das eigentliche Hindernis, nicht mangelnde Disziplin.
Hinzu kommt der psychologische Druck: Kommilitonen ohne Kinder können spontan Lerngruppen bilden, abends länger in der Bibliothek bleiben oder Prüfungsphasen intensiv durcharbeiten. Studierende mit Kind können das oft nicht. Das erzeugt ein dauerhaftes Gefühl des Hinterherhinkens, das viele irgendwann zermürbt.
Kinderbetreuung direkt an Wiens Hochschulen
Mehrere Wiener Hochschulen haben auf diese Realität reagiert. Die Universität Wien betreibt gemeinsam mit der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft Kinderbetreuungseinrichtungen, die speziell auf die Bedürfnisse studierender Eltern ausgerichtet sind. Dazu gehören flexible Öffnungszeiten und die Möglichkeit, Kinder auch kurzfristig für einzelne Stunden abzugeben.
Die Technische Universität Wien bietet über das Kinderbüro ebenfalls Betreuungsplätze an. Dort gibt es außerdem Notfallbetreuung, wenn reguläre Arrangements ausfallen. Das klingt nach einem Detail, ist aber in der Praxis enorm wertvoll: Ein krankes Pflegepersonal oder eine geschlossene Kita bedeutet ohne Backup den Ausfall einer wichtigen Prüfung.
Die Wirtschaftsuniversität Wien unterhält einen Eltern-Kind-Raum, der während der Lehrveranstaltungszeiten zugänglich ist. Kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für Eltern mit Kleinkindern, die keine stundenweise Fremdbetreuung organisieren konnten.
Finanzielle Unterstützung, die Eltern kennen sollten
Das Österreichische Stipendiensystem (Studienbeihilfe) kennt einen eigenen Erhöhungsbetrag für Studierende mit Kindern. Wer ein Kind unter 15 Jahren betreut, kann monatlich bis zu 698 Euro zusätzlich erhalten, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Dieser Betrag wird in der Praxis erstaunlich selten beantragt, weil viele Eltern nicht wissen, dass er existiert.
Daneben gibt es die Familienbeihilfe, die in Österreich bis zum 24. Lebensjahr für Studierende weiterläuft, sowie den Kinderabsetzbetrag von 58,40 Euro pro Monat und Kind, der automatisch mit der Familienbeihilfe ausgezahlt wird. Wer zusätzlich einen Nebenjob hat, sollte prüfen, ob Anspruch auf den Alleinerzieherabsetzbetrag besteht.
Wenn der Lernstoff nicht allein bewältigbar ist
Selbst mit guter Betreuung und ausreichend Geld bleibt das Problem des Lernens. Eltern, die nach dem Einschlafen des Kindes um 21 Uhr zu büffeln beginnen, stoßen schnell an Grenzen. Gerade in komplexen Fächern wie Statistik, Recht oder Chemie braucht es manchmal jemanden, der einen Sachverhalt in 30 Minuten verständlich erklärt, anstatt dass man allein zwei Stunden Lehrbücher durcharbeitet. Für genau diese Situation bietet sich professionelle Nachhilfe Wien an, die sich gezielt auf universitäre Inhalte spezialisiert hat.
Das ist keine Schwäche, sondern Pragmatismus. Wer 30 Stunden pro Woche für das Kind da ist, kann nicht dieselbe Eigenrecherche betreiben wie jemand, der 50 Stunden pro Woche nur für das Studium aufwendet. Zielgerichtete externe Unterstützung gleicht diesen Unterschied zumindest teilweise aus.
Rechtliche Rücksichtnahme durch Hochschulen
Das österreichische Universitätsgesetz verpflichtet Hochschulen dazu, auf Studierende mit Betreuungspflichten Rücksicht zu nehmen. Das bedeutet konkret: Prüfungstermine müssen auf Antrag angepasst werden, wenn zwingende Betreuungspflichten vorliegen. Lehrveranstaltungen dürfen nicht ausschließlich am frühen Morgen oder späten Abend angeboten werden, ohne eine Alternative.
In der Praxis hängt viel von einzelnen Lehrenden ab. Wer offen kommuniziert, dass er oder sie Kind ist und deshalb einen Termin nicht wahrnehmen kann, stößt meist auf Verständnis. Wer schweigt und einfach fernbleibt, riskiert Nachteile. Offene Kommunikation mit den Instituten ist deshalb kein optionaler Tipp, sondern eine operative Notwendigkeit.
Netzwerke und informelle Strukturen nutzen
Formale Angebote allein reichen selten aus. Wer in Wien studiert und Kinder hat, sollte aktiv Kontakt zu anderen studierenden Eltern suchen. An der Universität Wien gibt es eine eigene Interessenvertretung für Studierende mit Kindern innerhalb der ÖH. Dort entstehen oft informelle Netzwerke, über die Betreuungsarrangements, Mitschriften oder kurzfristige Hilfe organisiert werden.
- ÖH-Sozialreferat: Beratung zu Stipendien, Betreuungsangeboten und rechtlichen Fragen
- Eltern-Kind-Räume: An mehreren Wiener Hochschulen vorhanden, oft mit Spielmaterial ausgestattet
- Kinderbüros der Universitäten: Koordination von Betreuungsplätzen und Notfallbetreuung
- Facebook-Gruppen und WhatsApp-Netzwerke: Studierendeneltern in Wien tauschen dort Erfahrungen, Empfehlungen und Mitschriften aus
Der praktische Wert dieser Netzwerke wird von außen gerne unterschätzt. Eine Mutter, die weiß, dass eine andere Studierende ihr Kind für zwei Stunden übernimmt, wenn die Prüfung unbedingt heute stattfinden muss, hat mehr gewonnen als durch jedes offizielle Programm.
Studium mit Kind ist möglich, aber nicht ohne Plan
Wien bietet im Vergleich zu vielen anderen deutschsprachigen Städten eine breite Palette an Unterstützungsangeboten für studierende Eltern. Das Problem ist nicht das Fehlen dieser Angebote, sondern ihre Bekanntheit. Viele Eltern kämpfen allein, weil sie nicht wissen, was sie in Anspruch nehmen könnten.
Wer das Studium mit Kind durchziehen will, braucht einen Plan, der Betreuung, Finanzen, Lernorganisation und rechtliche Möglichkeiten zusammendenkt. Kein Element davon funktioniert isoliert. Aber wer alle Hebel kennt und bewusst einsetzt, hat reale Chancen, beides zu einem guten Abschluss zu bringen: das Studium und eine stabile Familienphase.
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