Wer mit Kindern einen Ausflug in Bayern plant, landet früher oder später beim Chiemsee. Das ist kein Zufall. Der See liegt gut erreichbar zwischen München und Salzburg, bietet Wasserspaß, Kultur, Natur und Gastronomie auf engstem Raum und lässt sich ohne großen Planungsaufwand gestalten. Trotzdem scheitern viele Familienausflüge daran, dass die Erwartungen auseinandergehen. Dieser Artikel zeigt, wie ein Tag am Chiemsee für alle Beteiligten funktioniert, von der Zweijährigen bis zu den Großeltern.
Anreise und erste Orientierung
Der Chiemsee liegt etwa 80 Kilometer östlich von München und ist per Bahn in rund einer Stunde erreichbar. Wer mit dem Auto kommt, nutzt die A8, Ausfahrt Bernau am Chiemsee oder Prien am Chiemsee. Parken kostet am Strandbad Prien zwischen 3 und 6 Euro pro Tag, je nach Saison. Mit dem Zug lohnt sich das Chiemsee-Ticket des MVV, das Familien flexibel zwischen den Orten wechseln lässt.
Prien am Chiemsee ist der zentrale Ausgangspunkt für die meisten Familien. Vom Bahnhof aus fährt die historische Chiemsee-Bahn direkt zum Schiffssteg, eine Schmalspurbahn aus dem Jahr 1887, die Kinder erfahrungsgemäß begeistert. Die Fahrt dauert knapp zehn Minuten und kostet für Erwachsene 3,50 Euro, Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos.
Die Inseln: Was sich mit Kindern lohnt
Zwei Inseln stehen im Mittelpunkt: die Herreninsel mit dem Schloss Herrenchiemsee und die Fraueninsel mit dem Kloster. Beide erreicht man per Schiff ab Prien-Stock oder Gstadt. Die Überfahrt zur Herreninsel dauert etwa 15 Minuten und kostet 10 Euro für Erwachsene hin und zurück, Kinder zwischen 6 und 15 Jahren zahlen 5,50 Euro.
Das Schloss Herrenchiemsee ist Ludwig II. nachempfunden dem Versailler Schloss, ein gewaltiger Bau mitten im Wald. Für Kinder ab etwa sieben Jahren ist die Führung durch die Prunkräume spannend, besonders der Spiegelsaal zieht zuverlässig die Aufmerksamkeit auf sich. Jüngere Kinder werden auf dem langen Fußweg durch den Park (rund 1,5 Kilometer vom Steg zum Schloss) erfahrungsgemäß ungeduldig. Ein Kinderwagen ist problemlos möglich, aber ein Tragesystem für Kleinkinder ist auf den Kieswegen bequemer.
Die Fraueninsel ist kleiner, ruhiger und besser geeignet für Familien mit sehr jungen Kindern. Das Kloster der Benediktinerinnen besteht seit dem 8. Jahrhundert, der Rundweg um die Insel ist in 20 Minuten gemacht und absolut flach. Die Fischerei auf der Insel verkauft geräucherten Fisch direkt am Steg, was den meisten Kindern eindrücklicher in Erinnerung bleibt als jeder Museumsbesuch.
Strand, Wasser und Ausgleich
Am Chiemsee finden Familien gut ausgebaute Strandbäder mit Sandstrand, Liegewiesen und flachen Uferzonen. Das Strandbad Prien-Stock und das Strandbad in Gstadt gehören zu den bekanntesten. Der Eintritt liegt zwischen 4 und 6 Euro für Erwachsene, Kinder bis 14 Jahren zahlen meist 2 bis 3 Euro. Wer einen ruhigeren Platz sucht, fährt nach Grabenstätt oder Übersee, wo der Andrang deutlich geringer ist.
Das Wasser des Chiemsees erwärmt sich im Sommer auf bis zu 24 Grad. Im Juli und August ist das Ufer flach genug, dass Kleinkinder ungefährdet plantschen können. Tretboote und Kanus lassen sich an mehreren Stellen leihen, Preise beginnen bei 12 Euro pro Stunde. Wer Standup-Paddling ausprobieren möchte, findet in Prien und Bernau entsprechende Verleihe, manche bieten auch Kinderboards und Kurse an.
Fahrradtour rund um den See
Der Chiemsee-Radweg umrundet den gesamten See auf 57 Kilometern. Für Familien mit jüngeren Kindern empfiehlt sich eine Teilstrecke, zum Beispiel von Prien über Gstadt nach Seebruck, etwa 18 Kilometer auf gut ausgebautem Radweg. Die Strecke verläuft größtenteils flach und führt nah am Wasser entlang.
Fahrräder und Kinderanhänger lassen sich am Bahnhof Prien sowie an mehreren Stationen rund um den See leihen. Ein Kinderanhänger kostet je nach Anbieter zwischen 15 und 25 Euro für den ganzen Tag. Wer mit einem Lastenrad oder E-Bike unterwegs ist, hat deutlich mehr Spielraum bei der Streckenwahl.
Auf der Website von Chiemsee finden sich aktuelle Informationen zu Schifffahrtzeiten, Strandbädern und Ausflugsmöglichkeiten rund um den See. Das lohnt sich vor allem für die Planung in der Nebensaison, wenn nicht alle Angebote durchgehend verfügbar sind.
Essen und Verpflegung
An den meisten Strandbädern gibt es Kioske oder Restaurants, die Standardkost zu Standardpreisen verkaufen. Wer mit dem Familienbudget haushalten will, packt eine Kühlbox ein. Besonders sinnvoll ist das auf den Inseln, wo Auswahl und Preise stark variieren. Ein Wurstsemmel-Imbiss auf der Fraueninsel kostet schnell fünf Euro pro Stück.
Wer lieber sitzt und bestellt, findet in Prien und Bernau gute Optionen. Das Gasthaus Hinterkaifeck in Bernau oder die Restaurants direkt am Seeufer bieten bayerische Küche mit Seeblick. Reservierungen am Wochenende im Sommer sind dringend empfehlenswert, wer ohne ankommt, wartet oft eine Stunde oder länger.
Praktische Hinweise für den Familientag
- Beste Reisezeit: Mai, Juni und September. Im Juli und August ist der Andrang erheblich, Parkplätze und Strandbäder sind ab 10 Uhr oft voll.
- Sonnenschutz: Das Wasser reflektiert stark. Sonnencreme LSF 50 für Kinder und ein Sonnenzelt für Kleinkinder sind keine Übervorsicht.
- Schifffahrtszeiten: Die Chiemsee-Schifffahrt fährt von April bis Oktober, außerhalb dieser Zeit sind die Inseln nur eingeschränkt erreichbar.
- Kinderwagen: Auf den Inseln und am Radweg problemlos nutzbar. Im Schloss Herrenchiemsee muss der Kinderwagen am Eingang stehen bleiben.
- Toiletten: An den Strandbädern vorhanden und gepflegt. Auf den Inseln begrenzt, also vorher nutzen.
Ein Familienausflug an den Chiemsee muss nicht mit Schloss und Schiff beginnen. Manchmal reicht es, einen Radweg entlangzufahren, einen Fisch zu kaufen und die Kinder ins Wasser zu lassen. Der See gibt genug her, damit alle etwas davontragen, und ist klein genug, dass man nicht wochenlang planen muss. Das ist sein eigentlicher Vorteil.












