Sizilien ist die größte Insel im Mittelmeer und hat für Familien mit Kindern einiges zu bieten: breite Sandstrände, antike Tempelanlagen, Naturschutzgebiete und eine Küche, die selbst wählerische Esser überzeugt. Gleichzeitig unterschätzen viele Eltern, wie anspruchsvoll eine Reise dorthin werden kann, wenn man nicht früh genug plant. Hitze, lange Fahrstrecken, unbekannte Infrastruktur und sprachliche Barrieren können den Urlaub schnell belasten. Wer gut vorbereitet anreist, erlebt Sizilien dagegen als eines der familienfreundlichsten Reiseziele Europas.
Wann man mit Kindern reisen sollte
Der Hochsommer auf Sizilien ist heiß. In Palermo und Agrigent werden im Juli und August regelmäßig 38 bis 42 Grad Celsius gemessen. Für Kleinkinder unter drei Jahren, ältere Schulkinder mit langen Besichtigungstagen und Familien, die aktiv wandern wollen, ist das schlicht zu viel. Besser geeignet sind die Monate Mai, Juni und September. Der Herbst bringt noch angenehme Badetemperaturen um 24 bis 26 Grad im Wasser, aber deutlich kühlere Abende. Wer flexibel ist, sollte sich vorab informieren: die beste Reisezeit für Sizilien hängt dabei auch davon ab, welche Region man besuchen möchte und was die Familie hauptsächlich plant.
Die Schulferien in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen fallen teils direkt in den sizilianischen Hochsommer. Das bedeutet: höhere Preise, volle Strände und überlastete Touristenattraktionen. Wer eine Woche vor oder nach den Hauptferien reist, zahlt für identische Hotels teilweise 30 bis 40 Prozent weniger.
Gesundheit und Vorsorge nicht auf die lange Bank schieben
Sizilien gilt medizinisch als sicheres Reiseziel innerhalb der EU. Trotzdem sollten Eltern einige Punkte aktiv angehen. Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ist Pflicht und sollte für jedes Familienmitglied vorhanden sein. Sie berechtigt zur Behandlung bei staatlichen Ärzten und in öffentlichen Krankenhäusern zu den gleichen Konditionen wie für italienische Versicherte. Eine private Reisekrankenversicherung lohnt sich dennoch, weil sie Rücktransporte und spezialisierte Behandlungen abdeckt.
Sonnenschutz ist keine Floskel, sondern medizinische Notwendigkeit. Die UV-Strahlung auf Sizilien ist im Sommer erheblich stärker als in Deutschland. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Kinder unter zwei Jahren grundsätzlich direkten Sonnenkontakt zu vermeiden und auf Kleinkinder ab zwei Jahren ausschließlich Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50 oder höher aufzutragen. Außerdem sollte man die Mittagszeit zwischen 12 und 16 Uhr konsequent im Schatten verbringen.
Unterkünfte: Ferienhaus schlägt Hotel
Für Familien mit mehr als einem Kind ist ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung mit Küche fast immer die bessere Wahl gegenüber einem Standardhotel. Gründe dafür sind konkret: Man kann Mahlzeiten selbst zubereiten, hat Platz für Kinderwagen, Strandausrüstung und Schlafrhythmen lassen sich leichter einhalten. Besonders die Gegend um Cefalù, San Vito Lo Capo und Noto gilt als familienfreundlich mit guter Infrastruktur. In Noto findet man zusätzlich eines der besterhaltenen Barockstadtbilder Europas, das Kinder ab etwa sieben Jahren tatsächlich beeindruckt.
Beim Buchen lohnt ein Blick auf die Entfernung zum nächsten Supermarkt und zur nächsten Apotheke. In ländlichen Gebieten Westsiziliens gibt es Dörfer, in denen beides mehr als 20 Kilometer entfernt ist. Mit Kindern sollte man das einkalkulieren.
Ausflüge und Sehenswürdigkeiten mit Kindern planen
Die Tempelanlage von Agrigent, der Ätna und das antike Theater von Taormina stehen auf vielen Familien-Reiselisten. Alle drei lassen sich mit Kindern besuchen, erfordern aber unterschiedliche Vorbereitung:
- Agrigent (Tal der Tempel): Das Gelände ist weitläufig und bei Hitze sehr anstrengend. Frühmorgens ab 8 Uhr ist es noch erträglich. Gutes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind Pflicht.
- Ätna: Kinder ab sechs Jahren können geführte Touren bis auf etwa 2.900 Meter Höhe mitmachen. Es kann selbst im Juli kalt und windig werden, Jacken sind nötig. Der Ätna ist seit 2013 UNESCO-Weltnaturerbe.
- Taormina: Das griechisch-römische Theater bietet beeindruckende Aussichten auf den Ätna und das Meer. Für Kinder unter fünf Jahren ist die Besichtigung meist wenig interessant, der Weg dorthin über Treppen und Kopfsteinpflaster mit Kinderwagen kaum zu bewältigen.
Naturnahe Ausflüge wie die Schlucht Gola dell’Alcantara oder das Naturschutzgebiet Zingaro funktionieren mit Kindern oft besser als reine Kulturtourismus-Tage. Kurze Strecken, klares Wasser und Tiere, die man beobachten kann, halten auch jüngere Kinder bei Laune.
Essen mit Kindern: keine Angst vor der sizilianischen Küche
Sizilianisches Essen ist für Kinder in der Regel gut verträglich und geschmacklich wenig exotisch. Pasta, Pizza, frischer Fisch, Arancini (gefüllte Reisbälle) und Granita gehören zur Alltagsküche. Wer Kinder hat, die eingeschränkt essen, wird in fast jedem Restaurant schlichte Pasta al Pomodoro oder Pane e Burro ohne Schwierigkeiten bestellen können.
Wichtig: In touristischen Gebieten sind Restaurants häufig erst ab 19:30 Uhr geöffnet. Familien mit kleinen Kindern, die früher essen müssen, sollten das vorplanen und gegebenenfalls Snacks vorhalten. Bars und Cafés bieten oft auch nachmittags warme Kleinigkeiten an.
Anreise und Mobilität vor Ort
Sizilien hat zwei internationale Flughäfen: Palermo (Falcone-Borsellino) und Catania (Fontanarossa). Direktflüge aus deutschen Großstädten dauern etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Mit Kindern ist das gut machbar. Der öffentliche Nahverkehr auf der Insel ist für Familien mit Gepäck und Kindern jedoch wenig praktikabel. Ein Mietwagen ist fast unverzichtbar, sobald man flexibel reisen will. Kindersitze müssen aktiv bei der Buchung reserviert werden und sollten beim Abholen auf Vollständigkeit und Befestigung geprüft werden.
Die Straßen außerhalb der Städte sind oft eng und kurvenreich. Nacht- oder Abendfahrten nach unbekannten Routen sollte man mit müden Kindern im Auto vermeiden. Wer einige dieser Punkte frühzeitig in die Urlaubsplanung einbaut, kommt entspannter an, erlebt weniger Stress vor Ort und nimmt am Ende tatsächlich das zurück nach Hause, was Sizilien zu bieten hat.









